Watch Dogs - Review Fazit PS3

Review PS3 Version von vandit the bandit

Ich hatte damals auf der E3 2012 diese atmosphärische Demo gesehen und war sofort Feuer und Flamme für Watch Dogs. Auch das “Hacken” fand ich erfrischend und interessant, zumal mir auch so Titel wie Deus Ex gefallen. Der Hype im Vorfeld war groß, doch ist Watch Dogs wirklich der große erhoffte Wurf? Leider nein.

Grafisch sieht die PS3-Version sehr ordentlich aus, abgesehen vom Tearing welches häufig auftritt, es gibt aber definitiv besser aussehende PS3-Titel. Vor allem bei mancher Textur wird man an PS2-Zeiten erinnert, so matschig sind die teilweise, aber wer begutachtet schon den Boden hat sich Ubisoft wohl gedacht? Generell wirken die Straßen oft zu leer für eine Großstadt wie Chicago und auch zu sauber. Gebäude sind meist auch nicht zugänglich, was das Open World-Gefühl etwas bremst. Äußerst hübsch wird die Grafik aber wenn es regnet. Die Straßen sind dann nass und man sieht diverse Spiegelungen und Pfützen. Auch die Effekte wenn Dinge explodieren sind nett anzusehen. Die Charaktere sind gut animiert und detailliert aber bei so mancher Zwischensequenz sind die Gesichter dann oft zu statisch und emotionslos, was dem Spiel generell gut getan hätte. Ein No Go von Ubisoft ist meiner Meinung nach der sparsame Einsatz von Blut. Aiden rottet regelrecht ganze Fixer-Horden aus, Blut wird aber nur bei ganz wenigen storyrelevanten Szenen vergossen, also so gut wie nie. In einem Titel für Erwachsene ist so eine Zensur lachhaft, zumindest die Option es einzuschalten muss in einem Titel ab 18 sein.

Die Story ist wohl der Punkt, an der sich die Geister scheiden werden. Es steckt viel Potential in der Geschichte, die mit der der Entführung von Aiden’s Schwester wohl ihren Höhepunkt finden sollte. Aber die Befreiung geht dann völlig plump über die Bühne. Vieles wird auch durch den Hauptcharakter Aiden Pearce selbst zu Nichte gemacht, denn er reagiert zu cool und emotionslos, zudem ist die Geschichte etwas wirr erzählt wodurch es unnötig schwer fällt, den roten Faden zu behalten. Auch wird die ganze Thematik um das Hacken und ctOS nicht kritisch genug behandelt, gerade weil das Thema durch NSA & Snowden derzeit brandaktuell ist, auch hier hat man Potential liegen gelassen, leider. Etwas sauer stößt auch die Tatsache auf, dass es hauptsächlich ums Töten geht, hier hätte ich mir die Option gewünscht den Tod auch umgehen zu können als Hacker. Denn somit wird Aiden zum Terminator degradiert und man hat Schwierigkeiten sich mit ihm zu identifizieren und mit ihm mitzufühlen.

Das Missionsdesign ist sehr reichhaltig, für die Story braucht man ca. 35% des Spiels, der Rest sind dann Nebenmissionen und es gibt verdammt viel zu tun, typisch Ubisoft, aber das ist natürlich positiv und eine große Stärke des Spiels. Die Hauptmissionen wiederholen sich aber häufig. So sucht man oft den Zielort, hackt sich dort meist in Gebäude, beschafft relevante Daten, beschattet Personen und flüchtet dann vor der Polizei. Gemischt wird dies mit Treffen der Unterstützer von Aiden und seiner Familie, und natürlich trifft man auch ab und an einen späteren Gegner. So manche Mission erinnert auch stark an Assassin’s Creed, leider, da sich auch dort Missionen häufig wiederholen. Etwas mehr Kreativität und Abwechslung hätte Watch Dogs an dieser Stelle gut getan.

Die Fahrzeuge sind auch ein Thema für sich. Normale Autos sind schwer zu lenken und es ist vor allem zu Beginn des Spiel ein Krampf mit solchen Vehikeln zu flüchten. Laster, Lieferwagen oder PKW’s mit Ladeflächen haben mehr Gewicht und brechen daher nicht so schnell aus, sind daher etwas einfach zu handhaben. Mein Favorit ist aber das Motorrad, damit kann man richtig schnell durch Chicago brausen und mit ihm ist man wirklich Herr der Straße, so lange man niemanden verfolgen muss. Hat man dann nämlich keine passenden Hack-Features zu Hand um das Gefährt des Gegners zu stoppen, ist man mit einem Auto oder Laster besser bedient, weil man damit Autos auch rammen und von der Straße drängen kann. Ubisoft sollte die Handhabung und Steuerung der Fahrzeuge aber überarbeiten, da hier großes Frustpotential liegt. Die Musik während des Fahrens ist leider auch nur 08/15 geworden, man kann diese aber in den Optionen abschalten, weshalb es dann auch nicht so schlimm ist.

Abschließend stellst sich die Frage ob Watch Dogs nun Spaß gemacht hat oder nicht? Definitiv ja, es gibt soviel zu tun, zu hacken und Chicago ist ein schöner großer Spielplatz. Der Hauptcharakter Aiden Pearce ist aber zu emotionslos geraten und generell macht es einem die mittelmäßige Geschichte schwer, wirklich mitzufiebern. Erzähltechnisch hat der Titel auf jedenfalls noch eine Menge zu lernen, da gibt es einfach Besseres auf dem Markt. Bei den Hauptmissionen wäre mehr Abwechslung wünschenswert gewesen und die Überwachung an sich hätte man viel kritischer einbauen sollen, wo es doch DAS große Thema beim Marketing war. Unterm Strich bekommt man mit Watch Dogs einen guten aber keineswegs perfekten Open World-Titel geboten aber wie gesagt, es steckt eine Menge Potential in der Thematik und ich wünsche mir, dass Ubisoft im zweiten Teil, der sicher kommen wird, die bemängelten Punkte verbessert.

Positiv:

  • Charaktere sind detailliert, vor allem die Gesichter der Hauptpersonen
  • Haufenweise Nebenmissionen
  • Wettereffekte wie Regen, Explosionen, Rauch
  • Wechselndes Wetter und Tageszeiten
  • Animationen sind sehr flüssig
  • Soundtrack ist passend und modern
  • Deutsche Lokalisation in Ordnung, obwohl selten englische Sprachfiles zu hören sind
  • Das Spiel ist komplett Multilingual
  • Hacken-Features
  • Gesamtspielzeit ist okay

Negativ:

  • Aiden Pearce Charakter ist zu blass und emotionslos geraten
  • Story ist zu wirr erzählt, leider fehlen auch echte emotionale Höhepunkte
  • Kleine Bugs, zum Beispiel sitzen Passanten auf unsichtbaren Parkbänken, Charaktere frieren ein
  • Straßen wirken etwas leer was wohl an der PS3-Hardwareleistung liegt
  • Manchmal tritt Tearing auf
  • Häufig qualitativ schlechte Boden- und Umgebungstexturen
  • Springen nicht möglich
  • Zu statische bzw. emotionslose Gesichtsanimationen
  • Songauswahl bei Fahrzeugen nur 08/15
  • Kaum Blut, Option fehlt im Optionen-Menü
  • Fahrzeugsteuerung könnte besser sein
  • Soundbug: Es kann ein nerviges Knisterngeräusch auftreten, welches man nur mit einem Neustart der PS3 beheben kann

PS3-Wertung von vandit the bandit:
Grafik: 85%
Gameplay: 80%
Story: 70%
Sound: 80%

Gesamtwertung: 78%

Fazit PC | Fazit PS4 | Fazit Xbox One | Fazit PS3 | Fazit Xbox 360 | Gesamtfazit